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Nachruf auf einen Egoisten
Schon in frühen Jahren
auch in so manchen Schuletagen
war ihm der Lehrer Piep
an seiner Scham ein Dieb.
Das war er nicht gewohnt
denn zu Hause sprach man Hohn
über and're Zeitgenosssen
egal wo sie entsprossen.
Die Familie war vermögend wohl
doch an Gefühl bot man nur Groll
denn Neureichs wollten zeigen
wie sie gut Intrigen geigen
und Diskriminierung angewandt
die Achtung vor dem Nächsten schwand.
Die Schul die war zur Prüfung da
doch Adolf hat ihn von ebenda
gleich in den Krieg verladen
mit Abitur von Amtes Gnaden.
Was dort geschah kann man nur raten
denn niemand hat erzählt die Taten
die sich begaben in Karpaten
bis auf jene mit 'nem Fingerhaken.
Auch weiterhin hat er geschwiegen
was zu Hause kam nach bösem Kriegen.
Nur aus dem Jahre 50 wissen wir
daß ihm der Bruder da wie hier
'ne Ehefrau im Voraus hatte
und sich nun nannte stolzer Gatte.
Die Familie jener Braut
hat unser Freund sich angeschaut
und auf des Vaters raten
ist's ihm geworden ein guter Braten.
Er hat's dem Bruder nachgemacht
und in Studentenjahren macht
er sich gut als Ehemann
mit einer Frau die vieles kann.
Doch der Ehestand half ihm nicht weiter
zu klettern auf die Abschlußleiter
des Studiums der Ingenieure
die nicht kennen eine Hürde.
Er hingegen hat gekniffen
und ist nach Westen ausgerissen
nachdem er seine Frau geschwängert
und damit seinen Mut verlängert.
Was 53 in Berlin geschah
und woher er den Abschluß nahm
das weiß nun Gott allein
er soll ihm gewähret sein.
Doch kam der Ernst des Lebens
ihm als ein Kind entgegen
das zwar sein's und seiner Frau nun war
auch wenn die Supp' enthielt ein Haar!
Die Famil' nahm er labil
als etwas an ohn' Gefühl
denn hat er ebenfalls
neben seiner Frau 'nen Schatz.
Das merkt die Gattin auch
und denkt sich eine Lösung aus
denn doppelt hält doch wirklich besser
und gebar dem Kinde eine Schwester!
Nach soviel weiblichen Anblicken
mußt des Mannes Mut nun Knicken
und auch wenn's sauer stieß
er sich nun verplichten ließ.
Das erste Kind war ihm ein Graus
das zweite bügelt erst'res aus
und schon ward er geschlossen
der Bund fürs Leben unverdrossenn.
Bei den ersten Missetaten
hat er es nicht bewenden lassen
und brauchte Geld für seine Träume
zu spielen Chef mit viel Geschäume.
Die Frau hat er gedrillt
daß monatlich das Geld einquillt
aus ihrer fleißgen Lehrertätigkeit
die neben Mutterpflichten sie gezeigt.
Das ging auf der kleinen Kinder Rücken
und Schwesterchen wollt nur den Paps entzücken
statt sich stetig konzentriert
in ihre Bücher hätt' gestiert.
Das Brüderchen hingegen
war meist der Mutter großer Segen
und hat ihr nachgeeifert um zu lernen
wie man im Leben kann Verdienste ernten.
Dieses hat der Unhold wohl erkannt
und seinen Bogen überspannt
er hat gesoffen wie ein Schwein
und ließ die Familie vaterlos sein.
Um sein Gewissen zu beschwichten
macht er nun den nächsten Kinken
und hat sich für die Tour mit Saufgenossen
einer Wohnwagen-Karawane angeschlossen.
Am Freitag um halb fünf am nachmittag
erwartet er die Sachen eingepackt
um schwungvoll protzig fahrend
zum Grill zu kommen ohne warten.
Die Schulden aus dem ersten Traum
bezahlte nun viele Jahr die Frau
denn dazu hat man sie erzogen
dem Mann zu sein gewogen.
Als dann die Schwiegermutter starb
ihm das nicht die Laun' verdarb
denn flugs den Nechlass nun berechnend
hat er 'nen Plan zum Erbrechen.
Ein Haus an der Natur
mußt nun auch noch her
damit die Ehefrau an jedem Wochenende
nun dreimal Haushalt machen lernte!
Liebchen hier und Liebchen da
sagt er zu allen die er sah
doch die eig'ne Frau hat sich zerrieben
um die Familie zu haltn am Leben!
Das war ihm einerlei und noch schlimmer
hat er betrog'n wie ein Sünder
und dazu noch gesagt
daß bürgerlicher Ballast nicht behagt.
Die Tochter ward ihm aus der Seel' bemessen
denn solche hat er schlecht besessen
viel Eigennutz und Vorurteil
gehört nun beiden allemal!
Es wurd noch arger in der Zeit
als die Finanzen besser war'n bereit
und er fünfzehn Jahre lang
hat hunderttausend durchgebracht.
Als alter Mann fiel ihm dann ein
doch mit 'ner Pensionärin ehelich zu sein
und hat sie als sein Geld dann knapper
als Versorgerin verdappert.
Warum die Frau das mitgemacht
bleibt mir ein Rätsel Tag und Nacht
erst als sie nicht mehr weilte unter uns
wurd' das Rätsel kunterbunt.
Er wollt' den Sohn betrügen
weil ihm die Tochter mehr gewogen
und stets an ihm geschleimt
worauf sein Ego richtig keimt!
-- aus Zehn
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2026-02-11
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